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"Übernommene" Traumata und die Verstrickung mit dem Herkunftssystem als Ausdruck einer Traumaüberlebensstrategie

Oft ist es so, dass neben den eigenen traumatischen Erlebnissen ein sogenanntes Bindungssystemtrauma vorliegt.
Hier bewegen wir uns auf der Ebene der Verstrickung mit dem Familien-Herkunftssystem.
Schwerwiegende Erfahrungen und Traumatisierungen von z.B. Mutter, Vater, Groß- oder Urgroßeltern können auf ein Kind scheinbar "übertragen" sein und sich auf dessen Sein in der Welt auswirken, ohne dass es diese Erfahrungen selbst gemacht hat.
Mittlerweile ist es erforscht und bestätigt, dass z.B. die Erlebnisse der Kriegsgenerationen noch bis in die heutige Generation hinein wirken. Beinahe alle Menschen, deren Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern den 1. und/oder 2. Weltkrieg er- und überlebt haben, sind mehr oder weniger verbunden mit den Traumatisierungen und Schrecken dieser Zeit, zumeist ohne es zu ahnen.
Franz Ruppert hat erkannt, dass solcherlei Verstrickungen eng verknüpft sind mit eigenen Bindungstraumatisierungen und daraus resultiereden inneren Spaltungen. Das bedeutet, dass der verstrickte Mensch in einer psychischen Spaltung lebt, die ihm nicht bewusst ist und bestimmte psychische Anteile sich mit dem Leid aus der Herkunftsfamilie verbinden.
Eine Verstrickung mit den traumatischen Erlebnissen von Mutter, Vater, Großmutter oder Großvater ist immer gekoppelt an ein eigenes Identitätstrauma und die daraus resultierenden Spaltungen.
Die Verstrickung ist quasi die Folge des Identitätstraumas!
Wenn ein Kind zu Beginn seines Lebens in seinem Sein erschüttert wird, wenn es kein liebevolles und haltgebendes Bindungsangebot von seinen Eltern erfährt, spaltet es die damit verbundenen eigenen Notgefühle ab. Es verliert den Halt in sich selbst, und auf der Basis dieser inneren Haltlosigkeit sucht es im Außen nach Halt und nach Ersatzidentität. So bindet es sich an das, was es vorfindet - an das Trauma der Eltern. Es bindet sich an den Schmerz, die Wut, die innere Zerissenheit und die Überlebensstruktur des Gegenübers, auf dessen Fürsorge und Nähe es angewiesen ist. Es identifiziert sich damit auf der Grundlage seiner eigenen Verlorenheit. Das Sich-Binden an das Leid der wichtigsten frühen Bezugspersonen wird so zu einer Traumaüberlebensstrategie des zutiefst abhängigen Kindes. Die eigenen Selbstentwicklungs- und entfaltungsimpulse können hinter diesem Anpassungsmechanismus zurücktreten oder gar ganz zum Erliegen kommen.

Ein Identitätstrauma führt immer zu einer basalen inneren Spaltung. Diese Spaltung  geht einher mit der Aufgabe der gesunden Ich-Entwicklung. Eine solche ursprüngliche Spaltung vollzieht sich oft bereits in der frühen Phase der symbiotischen Mutter-Kind-Bindung (zumeist schon vorgeburtlich). In dieser Zeit ist das Kind mit seiner Mutter aufs engste verbunden und befindet sich in einer tiefen körperlichen und psychischen Abhängigkeit - siehe auch unter Symbiosetrauma

Ohne Zweifel spielt die Qualität der frühen Kontakterfahrung mit der eigenen Mutter bzw. die Frage inwieweit diese traumatisierend war, eine zentrale Rolle. Daher kommt  es häufig zu Verstrickungen in der mütterlichen Linie.
Es können aber auch Verstrickungen mit traumatischen Erlebnissen des Vaters und dessen Herkunftssystem vorliegen, vor allem dann, wenn die Bindung zum Vater in irgendeiner Form überschattet war. Es muss sich dabei nicht immer gleich um Gewalt oder sexuellen Missbrauch handeln; es kann auch zutiefst kränkend und verletzend für das Kind sein, wenn es spürt "der Vater ist einfach nicht wirklich da", "ich kann ihn nicht erreichen", "er sieht mich nicht" etc. So verbindet sich das traumatisierte Kind mit dem Vater über dessen Trauma, um überhaupt eine Verbindung zu haben, um ihm irgendwie nahe zu sein. Und es wird vielleicht verzweifelt darum bemüht sein, es ihm recht zu machen und seine Erwartungen zu erfüllen, in der Hoffnung, doch noch irgendwie seine Zuwendung, Liebe, Aufmerksamkeit und Bestätigung zu erhalten (vor allem, wenn die Mutterbindung traumatisierend war). Dieses verzweifelte Sehnen, Sich-Anstrengen und Sich-Verbiegen, um geliebt zu werden, setzt sich dann zumeist im Erwachsenenalter fort und wird auf Liebespartner, eigene Kinder, Freundschaften, den Chef, den Verein usw. übertragen. All dies kann sich in einer Trauma-Aufstellung zeigen, sofern es für den Klienten und dessen aktuelles Anliegen von Bedeutung ist.











Vgl.: Ruppert, Franz, Seelische Spaltung und Innere Heilung, Klett-Cotta, Stuttgart, S. 106ff

Symbiosetrauma