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Unser Körper

"Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare."
(Christian Morgenstern)



Unser Körper ist ehrlich!
Der Körper in Ausdruck und Struktur spiegelt die individuelle Lebensgeschichte eines Menschen wider.
Körper und Psyche sind nicht voneinander zu trennen!

Manchmal allerdings haben wir den Kontakt zu unserer Körperlichkeit verloren; dann fühlen wir uns nicht wirklich IN unserem Körper; dann dient uns der Körper vielleicht mehr als bloßes Mittel zum Zweck; dann benutzen wir ihn; dann kontrollieren wir seine Bedürfnisse; dann formen und domestizieren wir ihn; dann "reparieren" wir ihn, wenn er Symptome zeigt, die uns stören; dann vernachlässigen oder ignorieren wir ihn; dann verachten wir ihn, wenn er nicht dem Ideal der Gesellschaft entspricht oder uns nicht schön genug erscheint; dann geben wir ihm Medikamente, ohne auf seine hilfreichen Signale und Botschaften zu hören; schlimmstenfalls bekämpfen wir ihn regelrecht wie einen Gegner.
Diese Entfremdung vom Körper ist leider ein großes Problem unserer Zeit, das sich durch nahezu alle Bereiche zieht!
Auf der einen Seite ist dies sicherlich die Folge eines mechanistischen Weltbildes, welches die Wissenschaften noch immer durchpulst und in dem der menschliche Körper als eine Art Maschine betrachtet wird, die man reparieren kann und sollte, wenn Teile nicht mehr reibungslos funktionieren.
Auf der anderen Seite ist die tiefere Ursache in traumatischen Erlebnissen zu finden, die zu solcherlei Spaltungen geführt haben.
Wenn ich mich von meinem Körper trenne, so trenne ich mich auch von den leidvollen Gefühlen, die ich nicht länger ertragen kann. Wenn ich mich im Krieg befinde und Zeuge unfassbarer Greueltaten werde, oder wenn ich sexuell missbraucht oder geschlagen werde, kann diese Fähigkeit zur Abspaltung und Betäubung sogar zunächst ein Segen sein, um überhaupt überleben zu können. Manche Menschen, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurden, berichten darüber, wie sie sich in der Ohnmachtssituation von ihrem Körper distanzierten, indem sie in ihrer Wahrnehmung aus sich "heraustraten" und ihren Körper sowie die Missbrauchsszene quasi von oben betrachteten. Eine Notfallstrategie um das Unaushaltbare zu überleben, vor allem, wenn es wieder und wieder geschieht.
Auch mangelnde Liebe und Zuwendung im Kindesalter kann bereits zu einer Abspaltung vom Körper führen. Der Säugling, der in seinen Bedürfnissen nach liebevoller körperlicher Nähe keine Resonanz erfährt, dessen Signale nicht wahrgenommen werden, der vielleicht sogar schreien gelassen wird, hat keine andere Wahl, als sich von seinem Körper und damit den schmerzvollen Not-Gefühlen zu trennen.
Damit die, in den traumatischen Situationen unterdrückten Gefühle nicht ins Bewusstsein drängen, nehmen wir es dann in Kauf, dass auch die ursprüngliche Vitalität, Lebendigkeit und Lebensfreude gewissermaßen auf der Strecke bleiben. Und wir merken es vielleicht noch nicht einmal, da wir nicht mehr bewusst erinnern können, wie es vor der Spaltung war. Da die innere Zerrissenheit zum Normalzustand geworden ist.

Uns von unseren eigenen Körperempfindungen und Gefühlen zu distanzieren und mehr in den Verstand zu wandern ist eine sehr wirksame Traumaüberlebensstrategie. Statt eines gesunden Im-Körper-Seins nehmen wir unseren Körper dann zum Beispiel sehr reduziert oder hauptsächlich über belastende Symptome und Schmerzen wahr.
Wenn wir "somatisieren" ist dies häufig ein Zeichen für noch aktive innere Spaltungen und unaufgearbeitete Opfer-Täter-Dynamiken.

Der Körper bietet also Schlüssel und Zugang sowohl zu den vitalen Potentialen als auch zu blockierten Strukturen, Energien und Gefühlen.
Unnachgiebigkeit und Starre der Muskulatur können Ausdruck eines Überlebensmusters auf körperlicher Ebene sein. Durch unbewusste Muskelkontraktionen kann der Ausdruck von Gefühlen wie Wut, Schmerz, Trauer und Verzweifung dauerhaft kontrolliert bzw. unterdrückt werden. Die Bioenergetik spricht in dem Zusammenhang auch von "Panzerung".
Ich begegne dieser Überlebensstrategie mit Achtsamkeit und in dem Bewusstsein, dass eine Lösung der blockierten Strukturen - ähnlich wie die Lösung von Blockaden auf der psychischen Ebene - von der Bereitschaft des Klienten abhängt und nicht erzwungen oder forciert werden darf und sollte! Wird mit bestimmten Techniken versucht, Widerstände zu "brechen", so kann dies eher noch zu weiteren oder zur Verfestigung der bestehenden Spaltungen führen. Ein traumatisierter Mensch, der sich nicht wirklich in-sich spürt, kann oftmals noch gar nicht sund o klar deutlich signalisieren und ausdrücken, wie er sich körperlich fühlt, wo seine körperlichen Grenzen sind und was er will oder nicht will. Je nach Art und Schwere der erlebten Traumata, reagiert  sein Körper oft schon auf kleinste Berührungen mit großem Stress, was er durch die Spaltung nicht bewusst spüren kann. Unter Umständen wird er etwas über sich ergehen lassen, was er eigentlich gar nicht will und damit vielleicht sogar sein ursprüngliches Trauma wiederholen.
Vor diesem Hintergrund betrachte ich manipulative und "pushende" psychotherapeutische wie körperpsychotherapeutische Techniken mit gesunder Skepsis!

Wenn es in einer Aufstellung zu emotionalen Berührungen mit uns selbst kommt, reagiert auch unser Körper und wir können uns Schritt für Schritt wieder mehr in ihm fühlen - ganz ohne Manipulation von außen.

Ein erweitertes Verständnis von Krankheit
Jeder Mensch ist einzigartig, von Anfang an. Sein Spüren, sein Fühlen, sein Erleben. Körper und Psyche sind dabei nicht voneinander getrennt zu sehen. Körperliches Unwohlsein, Schmerzen, chronische Erkrankungen sind immer auch Signale. Subjektive Signale eines einzigartigen Menschen mit seiner ganz eigenen Lebensgeschichte, hinter denen sich eine ganz individuelle Dynamik verbirgt und Ausdruck sucht. Natürlich ist es wichtig, Körpersymptome zunächst schulmedizinisch abzuklären, vor allem bevor wir uns in Psychotherapie begeben! Wenn wir jedoch unseren Körper objektivieren und nur bei den Diagnosen bleiben, uns damit zu arrangieren versuchen und ausschließlich Körpersymptome behandeln, laufen wir Gefahr, Wesentliches auszuklammern. Wir klammern uns selbst aus. Das Nicht-Gesehen-Werden wiederholt sich. Das Nicht-Gesehen-Sein in unserer Not, frühkindlichen tiefen Einsamkeit, Kontaktlosigkeit und Verletzung, aber auch in unserem unterbrochenem Streben nach Lebendigkeit, Wachstum und Selbstentfaltung.

In dem Buch "Mein Körper, mein Trauma, mein Ich" (siehe Literaturhinweis) werden die Zusammenhänge zwischen Körpersymptomen und teilweise sehr frühen Traumata deutlich.